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"Eeten un Drinken holt Liev un Seel tosamen!" 

Mit diesem Aufruf forderte man früher gerne auf, gut und tüchtig zu essen. Darauf legte man besonderen Wert, denn die harte körperliche Arbeit in dem rauhen Küstenklima verlangte eine kräftige und angepaßte Ernährung.

Haupterwerbszweig war auch in Padingbüttel die Landwirtschaft. Der Arbeitstag war lang. Die benötigten Lebensmittel wie Milch, Eier, Mehl, Fleisch, einschließlich Geflügel und Fett wurden auf dem Hofe selbst erzeugt. 

Die teils sehr großen Gärten und zusätzliche Feldbepflanzungen lieferten das Gemüse für den Eigenbedarf: Kohl, Bohnen, Erbsen, Wurzeln, Rüben und Kräuter, dazu auch einige Teearten. Einkellerungskartoffeln holte man sich von der Geest. Obst war meistens ausreichend vorhanden.

Brot wurde regelmäßig gebacken, hauptsächlich Schwarzbrot, nebenbei auch Stuten und Feinbrot. Kuchen hingegen backte man nur zu besonderen Anlässen.

Bohnenkaffee gab es in der Regel nur an Sonn- und Feiertagen oder bei Besuch. In der übrigen Zeit trank man Kaffee aus selbstgebrannter Gerste.

Speck und Klüten

Speck und Klüten war und ist das "Wurster Nationalgericht". Die Zutaten sind:

: 1 Stück leicht geräucherte Rinderbrust oder Schweinebacke (alternativ Speck, leicht geräucherte Schweinebacke oder geräuchertes Eisbein)

: 1 Steckrübe

: Möhren

: Etwas Butter

: 1/4 l Milch

: 250 g Mehl

: 1 Prise Salz

: 2 Eier

Die Rinderbrust ganz mit Wasser bedecken, zu Anfang heftig, dann sanft Kochen. Nach einer Stunde (je nach Menge) die in Scheiben geschnittene Steckrübe, die ganzen Möhren und etwas Butter zugeben, garkochen lassen. Als Beilage Salzkartoffeln, dazu Buttersoße. Reichlich gewürfelte Zwiebeln in Butter andünsten.

Für die Klüten die Milch erhitzen, dann Mehl, Salz und Eier gut mit der Milch verrühren. In einem Topf Salzwasser zum Kochen bringen, Klüten abstechen, im Wasser garziehen lassen.

Für Rosinenklüten Mehl in eine Schüssel geben, trockene Rosinen darüberstreuen und Brühe vom Fleisch unterrühren. Den Teig gut auskneten, runde Klüten formen und in der Brühe garziehen lassen.

Klüten aß man fast täglich. Wenn Sie gut sein sollten, mußten sie in der Pfanne nahezu im Fett schwimmen, andernfalls nahm man noch aus dem Fettpott, der eine Mischung von angebratenem Speck, Schmalz und Talg enthielt. Waren die Klüten vom Talg schön gebräunt, setzte man die Pfanne auf den Tisch.

Röhrkohl

Im Außendeichgebiet, in den Salzwiesen dicht an der Flutkante, wächst der Röhr. Dieser liefert im Frühling ein begehrtes Kohlgericht. Der Röhr wird auch heute noch gestochen. Benötigt wird:

: Röhrkohl

: 1 Stück durchwaschener, geräucherter Speck

: Butter

: Salz, Pfeffer

: Haferflocken oder Mehl zum Binden

Junge Pflanzen säubern, in kurze Stücke schneiden, Eintopf kochen mit etwas Flüssigkeit. Mit Salz und Pfeffer abschmecken. Zum Binden entweder Haferflocken oder mit Milch angerührtes Mehl verwenden.

Zu dem Eintopf schmeckt ein einfacher Weichkäse (Quark) sehr gut.

Kümmelkohl

Der Kümmelkohl wächst auf Wiesen und Weiden. Noch heute sieht man im Frühjahr vor dem Viehaustrieb Kümmelstecher über die fruchtbaren grünen Marschwiesen gehen, ausgestattet mit Korb und Messer. Zu den Zutaten gehören:

: Geputzter, gewaschener Kümmel

: 1 Stück geräucherter, durchwachsener Speck

: Etwas Fett

: 4 bis 6 Kochwürste

: Pfeffer, Salz

: Haferflocken (oder Weizenmehl)

Den Kümmelkohl andünsten, Fleisch dazugeben, mit Wasser auffüllen, garkochen. Mit Haferflocken oder angerührtem Weizenmehl binden.

Mehlpudding

Zutaten:

: 500 g Mehl

: 40 g Hefe

: 100 g Rosinen

: 100 g Korinthen

: 50 g Butter

: 50 g Zucker

: 1/4 l Milch

: 1 Ei

Einen Hefeteig herstellen und gut durchkneten. Puddingform fetten, Teig einfüllen und im Wasserbad garen lassen.

Dazu Obstkompott aus Backobst: Äpfel, Birnen und Pflaumen mit Zucker, Stangenkaneel und Wasser langsam weichkochen lassen.

Wurster Kringel

Wurster Kringel durften bei keiner Feier, sei es bei Freude oder aber auch bei Leid, fehlen. Es wird benötigt:

: 2000 g Mehl

: 750 g Rosinen

: 250 g Butter

: 250 g Zucker

: 200 g Hefe

: 30 g Salz

: 1 l Milch

: 4 Eier

: 1 Prise Zitronenschale

: Zitronat und / oder Orangeat nach Belieben

Das Mehl in eine Schüssel geben und in die Mitte eine Vertiefung drücken. Die Hefe hineinbröckeln, mit etwas Milch, etwas Zucker und Mehl vom Rand zu einem Vorteig verrühren. Zugedeckt an einem warmen Ort stehen lassen. Dann die übrigen Zutaten hinzumischen und alles zu einem geschmeidigen Teig kneten. So lange, bis er Blasen wirft. Backblech fetten und Kringel formen. 40 Minuten bei 200 Grad Celsius backen. Kurz vor Ende der Garzeit mit heißem Zuckerwasser bestreichen.

Wurster Pfeffernüsse

Die traditionellen Wurster Pfeffernüsse werden bereits Anfang November mit Gewürzen, Hirschhornsalz und Pottasche angerührt, in einer Kruke vorm Keller verwahrt und nach und nach abgebacken. Bereitliegen sollte:

: 10 Pf. Mehl

: 5 Pf. Sirup

: 4 Pf. Zucker

: 3 - 4 Pf. Fett (Butter und Schmalz)

: 3 - 5 Eier

: 1/2 Pf. gehackte Mandeln

: Zimt nach Geschmack

: Zitronat

: 50 g Pottasche (in Wasser gelöst)

: 40 g Hirschhornsalz (in Wasser gelöst)

: Hagelzucker zum Bestreuen

Wurster Printen

Zubereitung mit:

: 300 g Mehl

: 300 g Zucker

: 40 g Kakao

: 60 g Butter

: 2 Eier

: 65 g Kokosraspeln

: 1/2 Zitrone (Saft und Schale)

: 1 x Backpulver

Fingerdicke Rollen auf ein Blech legen und mit einer Gabel andrücken. Bei schwacher Hitze ca. 10-15 Minuten backen, dann schräg abschneiden.

Wurster Pfeffernüsse und Wurster Printen

 

Landesüblicher Speiseplan

 Sonntag Hühnersuppe oder Geflügel, Speck und Klüten und später auch Braten (Eingewecktes)
 Montag Reste vom Vortag, dazu Milchsuppe oder ähnliches
 Dienstag Erbsen-, Bohnen- oder Graupensuppe mit Klößen
 Mittwoch Schnittbohnen (aus dem Steinguttopf, falls nicht frisch) mit weißer Grundsoße (Milch) als Löffelgericht, oder gestopfte Kartoffeln mit Schinken und einer Suppe oder ein Fischgericht
 Donnerstag Kohl (verschiedene Arten je nach Jahreszeit, im Winter Braunkohl)
 Freitag Speck und Klüten mit einem der Jahreszeit entsprechenden Kompott, meistens jedoch mit Apfelmus
 Samstag Reste vom Kohlgericht vom Donnerstag mit Bratkartoffeln, Pfannkuchen oder Milchsuppe

 

Weitere Gerichte und Spezialitäten

"Appel-Schaapskopp" - Apfelschafskopf (Fleisch vom gekochten Hammelkopf mit Äpfeln in der Pfanne gebraten)

"Fliedersuppe" - mit Grießklößchen

"Frische Granat (Krabben)" - mit Stuten (Weißbrot) und Marschbutter

"Geräucherter Aal" (Smudaal)

"Hasenbraten" - mit Sahnesauce und Rotkohl

"Junge Stockenten" - mit frischen Erbsen

"Karbonaden" - mit Rosenkohl

"Kohleintopf" - mit Hammelfleisch

"Melk und Gruben" (in Buttermilch gekochte Graupen, nach dem Erkalten mit Milch übergossen)

"Bütt" - Butt in Butter gebraten

"Wittmos" (süße dickliche Milchsuppe mit Eisschnee)

 

Helga Stürtz, Die traditionelle Wurster Küche - ausgewählte landestypische Gerichte, in: Land Wursten - Bilder aus der Geschichte einer Marsch, Bremerhaven 1988, gekürzte Fassung. Das Rezept der Wursten Pfeffernüsse stammt aus dem Aufsatz von Rixta von Lehe, Buten un binnen in Land Wursten, in: Land Wursten - Bilder aus der Geschichte einer Marsch, Bremerhaven 1988.

Dircksen, Rolf, Am Meer und hinter dem Deich - Das Land Wursten, Hamburg 1981.

Rezept der Wurster Printen und Bild von Anja Schwanewedel, Hamburg 2002.

 

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